Haithabu (dänisch Hedeby, lateinisch Heidiba, heutiger deutscher Name Haddeby) war als erste echte mittelalterliche Stadt in Nordeuropa ein Handelsort und Hauptumschlagsplatz für den Handel mit Skandinavien und dem Baltikum. Haithabu lag in Jütland am Isthmus zwischen Nordsee und Ostsee und dem historischen Ochsenweg an der Schlei. Der Name bedeutet „Stadt in der Heide“. Der Ort gehört heute zur Gemeinde Busdorf nahe Schleswig im Kreis Schleswig-Flensburg in Deutschland.
Haithabu_Gelaende_WT2005.jpg Der seit Jahrhunderten verlassene Ort ist heute das mit Abstand bedeutendste archäologische Bodendenkmal in Schleswig-Holstein.
Durch die Zerstörung des konkurrierenden slawischen Handelsortes Reric (nachgewiesen in der Nähe von Wismar) durch den dänischen König Göttrick (auch: Godofridus) im Jahr 808 und anschließende Umsiedlung aller Kaufleute nach Haithabu entwickelte sich die Stadt rasch zur ersten königlich dänischen Handelsstadt.
Um 890 unternahm Wulfstan von Haithabu im Auftrag Alfred des Großen eine Reise nach Truso. Damals, vom 9. bis in das 10. Jahrhundert, war Haithabu mit nur etwa 1.000 Einwohnern schon ein wichtiger Handelsplatz. Hier wurden schon früh eigene Münzen geprägt. Andere Handelszentren Nordeuropas dieser Zeit waren Birka und Dorestad.
Ende des 9. Jahrhunderts wurden der nördliche und südliche Teil aufgegeben. Der mittlere Teil am Haithabu-Bach wurde weiter benutzt. Wikinger kamen und übernahmen den Ort.
Im Jahr 934 besiegte der ostfränkisch-sächsische König Heinrich I. die Wikinger unter König Knuba in der Schlacht von Haithabu und eroberte die Stadt anschließend. Damit fiel das Gebiet zwischen der Eider und der Schlei an das Reich.
Später wurde Haithabu ein Haupthandelsplatz wegen seiner günstigen Lage an Haupthandelswegen zwischen dem Fränkischen Reich und Skandinavien sowie zwischen Ostsee und Nordsee. Adam von Bremen bezeichnet Heidiba als portus maritimus, von dem aus Schiffe bis nach Schweden und sogar Griechenland geschickt wurden. Besonders die Herstellung und Bearbeitung von Tonwaren (Geschirr), Glas und Werkzeug wurde wichtig für die Bedeutung Haithabus, das sogar von arabischen Händlern und Reisenden besucht und beschrieben wurde.
Im 10. Jahrhundert erreichte Haithabu seine Blütezeit und war mit mindestens 1.500 Einwohnern der bei weitem bedeutendste Handelsplatz des Ostseeraumes. In den Jahrzehnten um 1000 gehörte die Siedlung offenbar zeitweilig zum Machtbereich des deutschen Kaisers, doch unter Konrad II. wurde die Grenze von der Schlei wieder zurück an die Eider verlegt.
948 wurde Haithabu Bischofssitz, nachdem schon um 850 die erste christliche Kirche errichtet wurde. Die Existenz dieses Baus ist zwar in den Schriftquellen sicher belegt, konnte aber noch nicht archäologisch nachgewiesen werden. Haithabu_Wallanlage_WT2005.jpg Obwohl ein neun Meter hoher Wall die Handelsstadt umgab, wurde sie im Jahr 1050 in einer Schlacht zwischen Harald Hardrada von Norwegen und Sweyn II. zerstört (Adam von Bremen, Buch III, Kapitel 12) und dann 1066 von den Westslawen, die damals östlich der Kieler Förde lebten, ausgeplündert. Die Einwohner verlegten die Siedlung daraufhin nach Schleswig und bauten Haithabu nicht wieder auf.
Ausführliche Erwähnung findet Haithabu (Heidiba) in der Chronik des Erzbistums Hamburg, die Adam von Bremen im Jahr 1076 fertig stellte.
Heute befindet sich dort das Wikinger-Museum Haithabu. Die Sachsen und Franken nannten die Siedlung Sliaswig und Sliaswich, wovon das heutige Schleswig abgeleitet ist.
Waren aus der gesamten damals bekannten Welt wurden in Haithabu gehandelt: Norwegen, Schweden, Irland, Baltikum, Konstantinopel, Bagdad. Dabei kamen aus Skandinavien vorwiegend Rohstoffe, aus den entfernteren Gebieten meist eher Luxusgüter. Eine einheitliche Währung existierte jedoch nicht. Durch archäologische Funde von eisernen Fuß- und Handfesseln ist auch ein Handel mit Sklaven belegt.
Das Entstehen einer Stadt kann am Beispiel Haithabus gut verfolgt werden: Durch den Zustrom von verschiedenen Menschen kam es zu einer Siedlungsverdichtung. Weil die Landbevölkerung ihre Getreideüberschüsse in die Stadt verkaufte, konnten dort differenzierte Tätigkeiten entwickelt werden.
1897 gelangte der dänische Archäologe Sophus Müller zu der Annahme, das Gelände innerhalb des Hafenkreises sei der Siedlungsplatz des alten Haithabus gewesen. 1900 wurde dies von Johanna Mestorf bestätigt. Sie ließ erste Ausgrabungen innerhalb des Halbkreiswalles durchführen, und Funde bestätigten die Annahme. Von 1900 bis 1915 fanden alljährlich Ausgrabungen mit dem Ziel statt, die Bedeutung Haithabus für die dänische Geschichte und Haithabus Rolle in der Welt der Wikingerzüge zu klären. In den Jahren von 1930 bis 1939 wurde alljährlich unter der Leitung von Herbert Jankuhn intensiv ausgegraben. Nach dem Krieg wurden die Arbeiten unter Kurt Schietzel fortgesetzt.
Für die Arbeit der Archäologen gab es in Haithabu günstige Voraussetzungen: Der Bauplatz war nie überbaut worden, und infolge der Nässe waren die ufernahen Partien noch sehr gut erhalten, sodass das Grabungsfeld noch viele Details erkennen ließ.
Seit 1959 hat man die gesamte Südsiedlung vor dem Halbkreiswall sowie einen großen Teil des alten Siedlungskerns im Halbkreiswall ausgegraben. Auch die Untersuchung des 11 ha großen Hafenbeckens wurde vorangetrieben. Erfolgreiche Tauchfahrten fanden 1953 statt. Dabei wurden Reste der Hafenpalisade und das Wrack eines Wikingerschiffes entdeckt. 1979 konnte dieses nach der Errichtung eines Bergebauwerkes (Spundkasten) geborgen werden.
Die Bergung des Wracks, seine Konservierung und die danach erfolgte Rekonstruierung des Wikingerschiffes wurden von der Film-AG im Studentenwerk Schleswig-Holstein unter Leitung von Dr. Kurt Denzer mit 16-mm-Film festgehalten. Als Ergebnis dieser filmischen Dokumentation erschien 1985 der 30-minütige Dokumentarfilm „Das Haithabu-Schiff“.
Haithabu ist der besterforschte frühmittelalterliche Hafen in Deutschland. Mit Schiffsbergungen und Hafenuntersuchungen bis 1980 fanden die Forschungen ein vorläufiges Ende. Bislang sind fünf Prozent des Siedlungsareals und ein Prozent des Hafens intensiv untersucht worden.
Haithabu_Museum_WT2005.jpg]] Die wichtigsten Funde sind seit 1985 im Wikingermuseum Haithabu ausgestellt.
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