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Wilna (litauisch: Vilnius * ) ist die Hauptstadt Litauens und des Distrikts Wilna (Vilniaus Apskritis). Mit 541.600 Einwohnern (2003) ist sie die größte Stadt des Landes. Sie liegt an der Mündung der Vilnia in die Neris, nur etwa 40 km von der weißrussischen Grenze entfernt.
Wilna ist katholischer Erzbischofssitz und seit 1579 Universitätstadt.
Durch Wilna fließt ein Flüsschen namens Vilnia (oft in der Verkleinerungsform Vilnelė genannt), das unweit des historischen Stadtkerns (Gediminas-Berg) in die Neris mündet. Andererseits ist ein alternativer Name der Neris *Velija, belegt um 1230 als Велья. Hierzu ist der kleinere Zufluss ursprünglich Diminutivbildung. Von diesem Flussnamen wird der Name der Stadt abgeleitet. Die ältesten Formen aus dem 14. Jahrhundert lauten vor die Wilne, ante Vilnam usw. Die moderne Form Vilnius ist erstmalig 1600 belegt.
Soweit die Legende. Archäologen sehen die Geschichte bodenständiger: Ihren Ausgrabungen nach hatten schon im 11. Jahrhundert Menschen an diesem taktisch vorteilhaften Ort gesiedelt. Erste Erwähnung in den geschichtlichen Akten findet Wilna als Hauptstadt der Litauer 1323. In jenem Jahr schreibt besagter Großfürst Gediminas einen in Latein verfasste Brief an die Hauptstädte jener Zeit. Darin wirbt er Kaufleute, Wissenschaftler und Priester für in civitate nostra regia Vilna - sozusagen als hochqualifizierte Gastarbeiter und lockt mit zwei Kirchen, also auch Religionsfreiheit. Diese Toleranz gegenüber den verschiedensten Glaubensrichtungen sollte die Entwicklung der Stadt noch lange bestimmen.
Ab 1377 war der ehrgeizige Jogaila Großfürst Litauens. 1385 schloss er mit Polen die Union von Krewo - der Preis dafür war die Christianisierung des Landes. Er löschte das ewige Feuer auf dem Hügel in Wilna und zerstörte den dazugehörigen heidnischen Tempel. Ein Jahr später, 1386, ließ er sich taufen, heiratete wie vereinbart die polnische Königin Hedwig und bestieg als Wladislaw II. den Thron des neuen und mächtigen Großreiches aus Polen und Litauen: Die Rzeczpospolita.
Zeitgleich wurde in Wilna das Magdeburger Stadtrecht eingeführt. Im 15. Jahrhundert erlebte die Stadt ein Periode großer wirtschaftlicher Blüte. In Folge der polnisch-litauischen Union (1385/1569) kam die Stadt zunehmend unter polnischen Einfluss. Damit einher gingen die Versuche der Gegenreformation. Das zu diesem Zweck 1570 von den Jesuiten gegründete Kollegium wurde so 1579 zur Universität (Alma academia et universitas Vilnensis societatis JESU) mit Privileg des polnischen Königs Stefan Batory und Segen des Papstes Gregor XII. erklärt. Für lange Zeit war die Universität in Wilna damit die einzige Hochschule im östlichen Mitteleuropa. Gleichzeitig wurde Wilna das wichtigste Zentrum jüdischer Kultur in Nordeuropa. Aufgrund seiner geistigen Bedeutung hatte Wilna den Beinamen Jerusalem Litauens. Wirtschaftlich begann im 16. Jh. allerdings mit der zunehmenden Dominanz Polens ein langsamer Abstieg Wilnas. Das 17. Jh. war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen - sieben Jahre war die Stadt von 1655-1661 von russischen Truppen besetzt - und Heimsuchungen wie Bränden und der Pest.
Nach der Unabhängigkeit Litauens wurde Wilna Hauptstadt Litauens, doch bereits 1920 wurde sie von Polen als Hauptstadt der neu gegründeten Republik Mittellitauen annektiert, was mit der polnischstämmigen Bevölkerungsmehrheit zu dieser Zeit begründet wurde. Für die nächsten 19 Jahre war Kaunas die neue Hauptstadt des Landes. Wilna sank endgültig auf den Status einer Provinzstadt im abgeschiedenen Nordosten Polens herab. Für das kulturelle und wissenschaftliche jüdische Leben in Ostmitteleuropa hatte sie jedoch ihre Bedeutung erhalten können. 1896 vermachte der jüdische Geschäftsmann Straschun seine Buchbestände der jüdischen Gemeinde und begründete damit die größte jüdische Bibliothek in Europa. Auch für die Weißrussen behielt Wilna seine Bedeutung als kulturelle Hauptstadt.
Als die deutsche Wehrmacht im September 1939 in Polen einmarschierte, wurde der bis dahin polnisch besetzte Teil Litauens gemäß der Absprache des Hitler-Stalin-Paktes von der Roten Armee besetzt. Für wenige Wochen war Wilna Teil der Weißrussischen Sowjetrepublik, im Oktober wurde die Stadt formell an Litauen gegeben. Nach dem Anschluss Litauens an die UdSSR am 3. August 1940 wurde Wilna wieder Hauptstadt des Landes, der Sozialistischen Sowjetrepublik Litauen.
Als im Sommer 1941 die deutschen Wehrmachtstruppen nach Litauen vorstießen, begann das Ende der jüdischen Geschichte in Wilna. In der Altstadt wurden das Ghetto Wilna in zwei Teilen eingerichtet, von denen das kleinere bis zum Oktober 1941 bereits wieder liquidiert wurde, was für mehrere Zehntausend Juden den Tod durch Erschießung im Wald von Paneriai (etwa 10 km westlich der Altstadt) bedeutete. Das zweite Ghetto bestand bis 1943, wobei verschiedene so genannte Aktionen auch hier eine weitere Dezimierung der jüdischen Bevölkerung zur Folge hatten. Die verbliebenen Juden wurden in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die polnische Bevölkerung vertrieben und Wilna wieder Hauptstadt der Sozialisten Sowjetrepublik Litauen und blieb es auch nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1990. Nach der Unabhängigkeit Litauens von der Sowjetunion entwickelte sich das heutige Wilna innerhalb von 10 Jahren von einer sowjetischen in eine Stadt westlich-kosmopolitischen Stils. Auf dem der Altstadt und dem Zentrum (Bebauung rund um den zentralen Gediminas-Prospekt ab der Jahrhundertwende) gegenüber gelegenen Ufer der Neris haben sich in den letzten Jahren die ersten Ansätze für ein modernes Büro- und Geschäftsviertel gebildet, mit dem Wilna zu einem Anziehungspunkt nicht nur für Touristen werden will. Bislang verlief die Entwicklung mehr oder weniger auf Brachflächen, in absehbarer Zeit werden aber die ärmlichen Holzhaus-Siedlungen, die sich unmittelbar nördlich anschließen, weichen müssen.
Die Wahrzeichen der Stadt sind die Ruine der Burg von Gediminas auf dem gleichnamigen Hügel aus dem 14. und 15. Jh., sowie an ihrem Fuße die klassizistische römisch-katholische Kathedrale Sankt Stanislaus mit ihrem etwas abseits stehenden Glockenturm.
Ausgehend vom Burgberg bildet das Straßennetz der Altstadt von Wilna in Richtung Westen und Süden eine fächerartige Struktur. Die Altstadt, die sich an den Hängen auf dem linken Ufer der Neris hochzieht, hat eine Fläche von 360 ha und zählt damit zu den größten und besterhaltenen Europas; seit 1994 zählt sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Viele Baustile hinterließen ihre Spuren, vor allem prägen sie der Barock, aber auch Gotik und Renaissance. Sehenswert sind die St. Annen Kirche (Šv. Onos), ein gotisches Backsteingebäude zusammen mit der ebenfalls gotischen Bernhardiner-Kirche, die barocke Universitätsanlage mit der Johannes-Kirche (Šv. Jono).
Bekannt sind auch die barocke St. Kazimir-Kirche (Šv. Kazimiero), welche dem Nationalheiligen geweiht ist, und das Tor der Morgenröte (Aušros vartai). Das alte Rathaus wurde wie die Kathedrale zuletzt in klassizistischem Stil umgebaut. Eine der wenigen alten Kirchen außerhalb der Altstadt ist die von dem Hetman des polnisch-litauischen Staates Michal Kazimier Pac gestiftete St. Peter-und-Paul-Kirche (Šv. Petro ir Povilo), ein Meisterwerk des Barock. Diese Kirche, wie auch das Bild der wundertätigen Madonna in den "Aušros vartai", ist ein wichtiges Pilgerziel, vornehmlich für polnische Katholiken. Von den einstmals 105 Synagogen in Wilna ist eine einzige aus dem Jahr 1894 übrig geblieben. Interessant ist außerdem der oberhalb der Altstadt wunderschön gelegene Rasų-Friedhof, wo zahlreiche prominente Litauer und Polen (Józef Piłsudski) begraben sind, sowie der zentrale Markt auf dem nördlichen Ufer der Neris.
Romantisch und kleinstädtisch verträumt präsentiert sich das am rechten Ufer des Flüsschens Vilnele gelegene Stadtviertel Užupis (deutsch: Hinter dem Fluss), das seit Anfang der Neunziger vom unbeachteten und verwahrlosten Winkel zu einem Künstlerviertel (in unmittelbarer Nähe der Kunstakademie "Dailės akademija") wurde und nunmehr auch eine exquisite Adresse darstellt. Wilna ist im Ganzen eine wenig metropolitan wirkende Stadt mit viel Grün, das sich bis ins Zentrum zieht.
Etwa 30 km westlich von Wilna liegt Trakai, die mittelalterliche Hauptstadt Litauens mit seiner wieder aufgebauten Wasserburg.
Nördlich von Wilna im Dorf Purnuškės befindet sich der Europapark. Dort soll der geografische Mittelpunkt Europas (lit. Europos centras) liegen. Diese Berechnung französischer Wissenschafter um 1790 ist allerdings wegen fraglicher Gewichtung von Inseln umstritten. Andere Geowissenschafter setzen den Mittelpunkt in der Ukraine nahe der Grenze zur Slowakei an, wobei es keine zwingende Methodik für Bestimmung eines solchen Punktes gibt.
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